19.01.2026
Kreishaushalt Trier-Saarburg mit 39 Millionen Defizit verabschiedet / Fraktionen sprechen von „struktureller Unterfinanzierung“
„Wenn der Landkreis nicht mehr gestalten kann, verlieren wir alle“, stellte Landrat Stefan Metzdorf bei der Haushaltssitzung des Kreistages fest. Der Kreishaushalt 2026 wurde mit einem Rekorddefizit von 39 Millionen Euro verabschiedet. Dabei fanden die Kreistagsfraktionen kritische Worte für die grundsätzliche Finanzierungsstruktur der Kommunen.
Bernhard Henter (CDU) sprach von einer „katastrophalen Haushaltslage“ bei der keine Besserung in Sicht sei. „Bund und Land ändern ihre Gesetze ohne die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen“, kritisierte Henter. Er forderte eine höhere Landesbeteiligung und eine grundlegende Änderung bei der Finanzierung der Landkreise.
Lothar Rommelfanger von der SPD-Fraktion wies zurück, dass die Ursache des Defizits pauschal bei der Landesregierung zu suchen sei. „Der Landkreis erhält 2025 und 2026 jeweils 11,5 Millionen Euro als Sonderzahlung aus dem Regionalbudget des Landes“, erklärte Rommelfanger. Gleichwohl sei die Lage unter anderem durch enorme Preissteigerungen für die Landkreise prekär.
Für die FWG/BfB-Fraktion forderte Michael Holstein ein Umdenken: „Bund und Länder brauchen mehr Vertrauen in die kommunale Ebene.“ Es sei wünschenswert, dass die finanziellen Mittel anstatt über Förderungen zweckunabhängig an die Kommunen ausgezahlt würden, so Holstein. Boris Bulitta (Bündnis 90/Die Grünen) fasst es wie folgt zusammen: „Wir geben mehr Geld aus als wir haben.“ Trotz der „strukturellen Unterfinanzierung“ warb er dafür, im eigenen Haushalt nach Sparmöglichkeiten zu suchen.
Im Namen der Fraktion der Freien Wähler forderte Rudolf Müller eine Reform des Sozialstaates. Dieser sei – ebenso wie illegale Migration – ursächlich für die Defizite. Er vermisse Sparvorschläge seitens der Verwaltung. Marcel Phillips (AfD) spricht von einem Haushalt der von „Ideologie getrieben“ sei und „wirtschaftliche Vernunft“ missachte. Als Beispiel nannte er Klimaschutz und das Radverkehrskonzept.
Für die FDP-Fraktion stellte Claus Piedmont fest, dass Streitpunkte und damit auch Alternativen in den Haushaltsberatungen verloren gegangen seien. Die vorgeschlagenen Investitionen halte er für realistisch. Fraktionsübergreifend wurde den Mitarbeitenden der Verwaltung für das Erstellen des Haushalts und die gute Zusammenarbeit gedankt.
Signal an die Aufsichtsbehörde
Die Kreistagsfraktionen CDU, FWG/BfB, Freie Wähler und die FDP hatten außerdem beantragt auf die im Verwaltungsvorschlag geplante Erhöhung der Kreisumlage um zwei Punkte zu verzichten. Dies sei „ein Signal an die Genehmigungsbehörde, dass es ohne strukturelle Änderungen in der Finanzierung der Landkreise nicht mehr geht“. Eine Umlageerhöhung hätte den Haushalt nicht ausgeglichen, belaste aber die Kommunen stark.
„Der Haushalt ist ein Spiegelbild unserer Prioritäten und Werte. Trotz hohem Defizit planen wir auch in diesem Jahr wichtige Zukunftsinvestitionen unter anderem in Schulen, Katastrophenschutz und Kreisstraßen“, betonte Landrat Stefan Metzdorf.
Der Bericht zu den Haushaltseckdaten ist in der letzten Ausgabe der Kreisnachrichten erschienen. Dieser findet sich auch online unter www.trier-saarburg.de
Zustimmung der ADD abwarten
Nach dem Beschluss durch den Kreistag muss nun die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) über die Genehmigung des Kreishaushalts 2026 entscheiden. Dies wird voraussichtlich im Frühjahr geschehen. Sollte keine Genehmigung erteilt werden, muss sich der Kreistag im Laufe des Jahres erneut mit dem Haushaltsplan befassen.



