Herausforderungen für den Kreis Trier-Saarburg
Die Situation um Kapazitäten in den Eingangsklassen der weiterführenden Schulen im Umfeld der Stadt Trier sorgt für Diskussionen und beschäftigt viele Familien im Übergang Grundschule zur weiterführenden Schule. In der Tat zeigen sich hinsichtlich der Standorte der Schulen Engpässe auf, die sich vor allem auf die künftigen Schuljahre beziehen. Um hier verlässliche Lösungen zu finden, arbeiten die Verwaltungen von Kreis und Stadt konstruktiv zusammen.
Hinsichtlich der Schulplätze gibt es seit langem Verflechtung zwischen dem Kreis Trier-Saarburg und der Stadt Trier. Kinder aus dem Landkreis besuchen Schulen in der Stadt Trier wie auch umgekehrt. Die Situation stellt sich heterogen dar: So besuchen rund 900 Schüler:innen (alle Klassenstufen in den Sekundarstufen I und II) aus der Verbandsgemeinde (VG) Trier-Land Schulen in der Stadt Trier, aus der VG Ruwer sind dies mehr als 700 Kinder und Jugendliche. Dagegen pendeln aus der VG Hermeskeil weniger als 20 Schüler:innen in die Bildungseinrichtungen in der Stadt. Dem gegenüber gibt es rund 250 Schüler:innen aus Trier, die Schulen im Kreis besuchen – vor allem die Einrichtungen in Schweich und Waldrach.
Der Blick auf die 4. Klassen der Grundschulen zeigt, dass es seit jeher im Kreis eine höhere Schülerzahl als Aufnahmekapazitäten der Schulen gibt. Dagegen verfügt die Stadt Trier über mehr Schulplätze als Bedarf von Schüler:innen aus der Stadt besteht. Daher war die Situation bislang ausgeglichen, weil der Mehrbedarf des Kreises dadurch gelöst werden konnte, dass Schüler:innen aus dem Kreis die Schulen in der Stadt besuchen konnten, welche die Kapazitäten hatten. Seit dem vergangenen Jahr wächst jedoch die Zahl der Kinder sowohl im Kreis wie auch in der Stadt. Das führt dazu, dass der Bedarf an Schulplätzen im Kreis steigt, gleichzeitig wird die „Lücke“ an den Trierer Schulen kleiner, da die Schulplätze für Stadtkinder benötigt werden. Aus Sicht des Kreises beschränkt sich das Problem nicht allein auf die Gymnasien. Betroffen sind auch die Realschulen plus im Kreis.
Zumutbare Entfernung zum Wohnort
Es ist daher notwendig, Lösungen zu finden, um weitere Schulplätze zu schaffen. Dabei ist die Kreisverwaltung mit allen Beteiligten im Austausch. Eine Herausforderung liegt auch darin, dass es im Flächenkreis Trier-Saarburg entscheidend ist, dass die Schulplätze in zumutbarer Entfernung zum Wohnort der Kinder erreichbar sind. In Zusammenhang mit dem Thema kommt immer wieder die Forderung auf, im Kreis eine weitere Schule zu bauen. Der Bedarf an Schulplätzen wird aber dadurch allein nicht zu bewältigen sein, da die Nachfrage nach Schulplätzen im Kreis räumlich unterschiedlich ist und durch die Schülerbeförderung nicht aufgefangen werden kann. Hinzu kommen die langen Zeiträume, die die Realisierung von Schulbauprojekten in Anspruch nehmen. Für die kurz- und mittelfristig Bedarfe ist eine neue Schule daher keine Lösung. Außerdem hat sich gezeigt, dass durch die langen Zeitabläufe die Schulneubauten bei Fertigstellung häufig schon nicht mehr den tatsächlichen Kapazitäten entsprechen. Da die Probleme bekannt sind, schaffen die Schulträger Kreis und Stadt bereits seit zwei Jahren – im Rahmen der Möglichkeiten – zusätzliche Schulplätze: durch mehr Klassenzüge, durch größere Klassen, durch Schaffung weiteren Schulraumes über mobile Klassen. So sind im eigentlich vierzügigen Gymnasium Konz bereits zum Schuljahr 2024/25 sechs fünfte Klassen gebildet worden. Am Schulstandort Schweich ist die schulartübergreifende Orientierungsstufe mit der Realschule plus von neun auf zehn Eingangsklassen aufgestockt worden. Bereits im Zuge der Errichtung hatte der Kreis erfolglos für eine Zügigkeit oberhalb von neun Zügen gekämpft und so ist diese lediglich der Realität der Entwicklung der Schülerzahlen angepasst worden. Die benötigten Räume fehlen aber nach wie vor. Für das kommende Schuljahr werden in Schweich daher zunächst weitere mobile Klassen errichtet. Weiterhin sollen die Planungen für die noch fehlende Sporthalle aufgenommen werden, da auch der Mangel dieser Halle Druck auf die Raumsituation ausübt. An der dreizügigen Realschule plus in Kell am See sind ebenfalls vier Eingangsklassen gebildet worden.
Erweiterungen von Gebäuden
Um das Kapazitätsproblem auf Dauer zu lösen, gibt es im Kreis an mehreren Schulstandorten Bautätigkeiten beziehungsweise Planungen, die neben der Sanierung die Erweiterung der Schulgebäude zum Ziel haben – so die Maßnahmen am Schulzentrum Konz und die Erweiterung der Realschule plus in Kell am See. Außerdem sind Neubau-Vorhaben zu nennen, wie bei der Ruwertalschule Waldrach. An all diesen Standorten zeigt sich auch bereits die Problematik der langen Zeitabläufe. Die Schule in Kell musste im Planungsprozess bereits angepasst werden, weitere Ergänzungen werden vermutlich notwendig. Die weitere Sanierung für das Schulzentrum in Konz wird diese Entwicklung berücksichtigen müssen und auch im Zuge des Neubauprojekts in Waldrach wird sich zeigen, inwiefern der Raumbedarf ausreichend sein wird. Im Neubau des Integrativen Schulprojektes in Schweich fehlen bereits jetzt Räume. Es geht auch darum, die richtigen Schlüsse aus den Zahlen zu ziehen und die baulichen Bedarfe daran auszurichten. Seit Etablierung des Bildungsbüros in der Kreisverwaltung hat sich die Datengrundlage auf Seiten des Kreises verbessert. Die Prognosen der letzten Jahre haben sich in hohem Maße in der Realität gezeigt und es ist für den Kreis von Vorteil, wenn diese Zahlen auch Bestätigung in der Anerkennung von Flächen im Rahmen des Schulbaus finden können.
Planungswissen generieren
Darüber hinaus wird geschaut, wie durch eine Veränderung des Schülerverkehrs Verbesserungen erzielt werden können, um die Standorte erreichbar zu machen. Dies gestaltet sich allerdings ebenso schwierig, da neben der Frage der Organisation der Schülerbeförderung auch langjährige räumliche Orientierungen eine Rolle spielen. Außerdem sind schulorganisatorische Entscheidungen zu hinterfragen. Eine Veränderung der Zügigkeit von Integrierten Gesamtschulen könnte einen Beitrag im weiterführenden Schulsystem insgesamt leisten. Mit den Schulen im Kreis werden nun Standortgespräche unter der Federführung des Bildungsbüros geführt, um Lösungswege für die steigenden Schulplatzbedarfe zu finden. Einen laufenden Abstimmungsprozess gibt es darüber hinaus mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion als Schulaufsichtsbehörde. Viel Wert legt der Kreis auf den Austausch mit der Stadt Trier. Zwischen dem Schulamt und dem Bildungsmonitoring der Stadt sowie dem Bildungsbüro des Kreises gibt es eine intensive Zusammenarbeit. Ziel ist es, Planungswissen zu generieren, das nur bei einer gemeinsamen Betrachtung des Bildungsraumes gewonnen werden kann. Dies entspricht auch dem gesetzlichen Auftrag, die Schulentwicklungsplanung abzustimmen. So kam auch seitens des Landkreises die Anregung zu einer gemeinsamen Sitzung der Schulträgerausschüsse von Stadt und Kreis. Diese ist im April vorgesehen. Sie wird als weiterer Baustein in der Abstimmung der Schulentwicklung gesehen im Sinne einer gemeinsamen Bildungsregion Kreis Trier-Saarburg und Stadt Trier.



